Als Porsche 911 GT3 werden die seit 1999 gebauten Sportversionen der Porsche 911mit wassergekühltem Saugmotor bezeichnet. Die von 1972 bis 1997 produzierten Sportversionen des 911 mit luftgekühltem Saugmotor, die seine direkten Vorgänger sind, hatten die Bezeichnung Carrera RS.
Präsentation am "Autosalon" in Genf...
Wie alle Porsche-911-GT-Modelle zeichnet sich auch der 911 GT3 durch Verzicht auf die zur sportlichen Fortbewegung nicht notwendigen Komfortmerkmale aus. Somit verkörpert er für einige Automobil-Puristen und vor allem für viele Porsche-Begeisterte die von ihnen bevorzugte Konzentration auf die zum sportlichen Fahren wesentliche Ausstattung.
Ähnlich seinen turbo-getriebenen Schwestermodellen Porsche 911 GT1 und 911 GT2 ist auch der GT3 in vielerlei Hinsicht vom Motorsport inspiriert; er ist die Strassenversion des jeweils aktuell im Porsche Supercup eingesetzten 911-GT3-Cup-Rennwagens und nur so weit modifiziert, wie es für einen eventuellen alltäglichen Gebrauch und insbesondere den Erhalt einer Strassenzulassung notwendig ist.
Der erste Porsche GT3 debütierte im Mai 1999 als Nachfolger des mittlerweile schon legendären Porsche 911 Carrera RS. Er war damit das erste, mit einem wassergekühlten Saugmotor ausgerüstete, Sportmodell des Porsche 911.
Die Bezeichnung „GT3“ übernahm Porsche von der Klasse, in welcher die Motorsportversionen des GT3 bei Langstreckenrennen fahren würden, ähnlich seinem turbogetriebenen Bruder 911 GT2, der erstmals im Jahre 1995 auf Basis des Vorgängermodells 993 vorgestellt wurde und analog zum 911 GT3 seine Bezeichnung durch die Klasse erhielt, in welcher seine Rennausführungen eingesetzt wurden. Der Grundpreis lag zur Markteinführung bei 179.500 DM im Modelljahr 1999 und 181.295 DM im Modelljahr 2000.
Trotz dieses recht hohen Grundpreises fanden sich viele Käufer, sodass die ursprünglich auf 1350 Einheiten (wovon 685 für den deutschen Markt vorgesehen und innerhalb von ca. 2 Monaten ausverkauft waren) ausgelegte Sonderserie dieses puristischen Fahrzeuges nachträglich auf insgesamt 1868 Exemplare erhöht wurde, die zum Großteil in Deutschland ihre Liebhaber fanden.
Die Karosserie des GT3 basiert auf der Rohkarosserie des Porsche 911 Carrera 4, der Allradversion des Porsche 911. Da der GT3 im Gegensatz zu diesem über einen Heckantrieb verfügt, konnte der Tankinhalt durch den Wegfall der Allradbauteile und des Notrades von 64 auf 89 Liter vergrössert werden. Statt Notrad gibt es ein Reifenreparatursystem mit Reifenfüllflasche. Die äussere Karosserie stammt vom serienmässigen 911 Carrera und wurde nur im Bereich der hinteren Radläufe um einige Millimeter gedehnt, um eine optimale Passform für die grösseren Reifen zu erreichen.
Auffälligere äussere Erkennungszeichen des 996 GT3 sind die im Vergleich zum 996 Carrera veränderte Frontschürze mit zusätzlicher Kunststofflippe sowie die neu gestalteten Seitenschweller. Das markanteste Merkmal ist der doppelstöckige Heckflügel, dessen Flügelneigung in sechs Stufen verstellbar ist und eine optimale Einstellung sowohl für normale Strassenfahrten als auch für den ausschliesslichen Rennstreckeneinsatz bietet.
Zur Verbesserung des Luftstroms unter dem Fahrzeug ist der GT3 mit einem dreiteiligen, aus Polypropylen gefertigten und mit zahlreichen Belüftungsöffnungen versehenen Unterboden ausgestattet.
Ausgerüstet mit dem auf Basis des Kurbelgehäuses vom luftgekühlten Porsche Typ 964 aufgebauten 6-Zylinder-Boxermotor mit 3.600 cm³ Hubraum, der die Bezeichnung M96/76 hatte und dessen Ursprung sich bis zu den Porsche-Rennsportwagen 962 und 911 GT zurückverfolgen lässt hatte der GT3 eine angemessene Motorisierung. Weil der Motor dank seines Renneinsatzes auch nach Motorsport-Maßstäben aufgebaut ist, verfügt er über eine Trockensumpfschmiereung mit separatem Öltank. Die aus Zylinderkopf und Zylindergehäuse sowie Nockenwellengehäuse zusammengesetzte Zylinderbank ist zur Erhöhung der Torsionssteifigkeit des Motors zu einer Einheit zusammengefasst, die Pleuel sind aus Titan, die Kurbelwelle ist achtfach gelagert und plasmanitriert. Jeder Zylinder verfügt über zwei Einlass- und zwei Auslassventile.
Die Steuerung der verstellbaren Einlassnockenwellen erfolgt über das drehzahlabhängige VarioCam-System. Die Verdichtung wurde gegenüber der des Serienelfers von 11,3 : 1 auf 11,7 : 1 erhöht. Die Summe dieser technischen Raffinessen verschaffte dem GT3 nicht nur eine Maximaldrehzahl von 7800 min-1, sondern vielmehr 265 kW (360 PS) bei 7200 min-1 – was einer Literleistung von 100 PS entspricht – und ein maximales Drehmoment von 370 Nm bei 5000 min-1. Diese Motorleistung lässt den nach DIN 1350 kg schweren Sportwagen in 4,8 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen und verhilft ihm zu einer Höchstgeschwindigkeit von 302 km/h laut Werk, womit der GT3 das erste Fahrzeug der Modellreihe 996 war, welches die 300 km/h-Marke überschritt.
Die Kraftübertragung erfolgt über das aus dem Porsche 993 GT2 bekannte, als G96/90 bezeichnete 6-Gang-Schaltgetriebe mit Zweimassenschwungrad und Sperrdifferential (Sperrwirkung 40 % Zug/60 % Schub) auf die Hinterachse. Das Gesamtpotenzial, welches im 996 GT3 steckt, wird vor allem durch eine im Jahr 1999 vom Porsche-Werksfahrer Walter Röhrl auf der Nordschleife des Nürburgrings gefahrene Zeit von 7.56 Minuten verdeutlicht, womit der Porsche 911 GT3 das erste Serienfahrzeug ist, welches die Nordschleife des Nürburgrings in weniger als 8 Minuten umrundete.
Von der mit verstellbaren Stabilisatoren und verstellbarem Sturz (zur Gewährleistung einer bestmöglichen Achsgeometrie) versehenen Hinterachse wird die Leistung mittels Pirellii-P-Zero-Reifen der Grösse 285/30 ZR 18 auf 10 J × 18 grossen zweiteiligen und im sogenannten „Sport-Design“ ausgeführten 10-Speichenfelgen mit verschraubtem Felgenkranz auf die Strasse übertragen
Die Bremsanlage hat gelochte, innenbelüftete Grauguss-Bremsscheiben – vorn 34, hinten 28 mm stark – mit einem Durchmesser von 330 mm und rot lackierte 4-Kolben-Aluminium-Monobloc-Festsättel. Um das Potenzial der Bremsanlage vollständig zu nutzen, wurde sie durch das ABS 5.3 und einen 10-Zoll-Vakuumbremskraftverstärler vervollständigt. Die Maximalverzögerung erreichte 11 m/s², einen für Kraftfahrzeugbremsen sehr guten Wert. Im auto-motor-und-sport-Test des 911 GT3 fasste Autor Malte Jürgens die Leistungen der Bremse wie folgt zusammen:„Die Bremsanlage enttäuscht in keiner Disziplin; ihre Werte zählen zum Besten, was auto motor und sport je gemessen hat. Elf Meter pro Sekunde zum Quadrat, in kaltem und warmem Zustand, mit strassentauglichen Pirelli P-Zero-Reifen: Das ist ein Wort wie ein Asphalt-Anker.“
Der Kundenorientierung sowie der Fahrzeugbestimmung folgend, ist das Interieur des GT3 äusserst schlicht gehalten. Es herrscht die vom Rennsport angeregte Sachlichkeit, welche die Käufer solch eines Sportwagens auch erwarteten und die sich im Detail durch den Verzicht auf alle Komfortmerkmale äussert.
Das hiess: Anstatt der reichlich gepolsterten Sitze der Carrera-Modelle, die auf Wunsch aber dennoch erhältlich waren, kamen werkseitig enge Schalensitze des Stuttgarter Autositzspezialisten und Motorsportausrüsters Recaro zum Einsatz, die mit ihrer spärlichen Lederpolsterung zwar nicht so komfortabel ausfielen wie das Gestühl des 911 Carrera, dafür jedoch ausgezeichneten Seitenhalt boten, was bei maximalen Querbeschleunigungen von bis zu 1,3 g erforderlich war. Ferner wurde im Zuge konsequenten Leichtbaus auf den gesamten unteren Teil der Mittelkonsole (die im normalen Carrera „Überflüssiges“ wie z. B. einen CD- oder Kassettenhalter beherbergte) und die Rücksitzbank verzichtet.
Optional, jedoch ohne Aufpreis, konnte der 996 GT3 auch als sogenannte Clubsport-Version bestellt werden. Im Gegensatz zum Standard-GT3 verfügt der Clubsport u. a. über ein Einmassen-Schwungrad, statt des normalen Zweimassen-Schwungrads.
Zudem besitzt er im Innenraum einen mit der Karosserie verschraubten, lackierten und in die Fahrgastzelle integrierten Überrollkäfig, feuerhemmende Sitzbezüge, 6-Punkt-Sicherheitsgurt für die Fahrerseite (beigelegt), ferner eine Abschaltautomatik für den Beifahrerairbag, einen Batterie-hauptschalter sowie einen Feuerlöscher, was allesamt jedoch nicht serienmässig montiert, sondern beigelegt oder über die Porsche-Motorsport-Abteilung gesondert erhältlich war. Im Gegenzug verzichtete der Clubsport-Kunde allerdings auf die Seitenairbags, anstelle derer er zu seiner Sicherheit aber verstärkte Türen erhielt.
Nach dem Erfolg der ersten GT3-Serie beschloss Porsche, auf Basis des inzwischen überarbeiteten Porsche 996 eine zweite Serie des 911 GT3 aufzulegen. Diese kam im April 2003 zu den deutschen Porsche-Zentren und leistete jetzt 280 kW (381 PS) bei 7400 min-1, was einer Steigerung um 21 PS entspricht. Äusserlich unterschied sich der weitreichend überarbeitete GT3 von der ersten Serie durch die vom 996 Turbo übernommenen Scheinwerfer in Tropfenform, über die alle Porsche 996 seit der Überarbeitung im Herbst 2001 verfügten.
Weitere Unterscheidungsmerkmale waren der neu gestaltete Heckflügel (gelegentlich als „Bügelbrett“ bezeichnet) und die Felgen im neuen 10-Speichen-Design, die ab August 2003 auch der zu diesem Zeitpunkt überarbeitete 996 GT2 erhielt.Der Grundpreis stieg im Vergleich zur ersten Serie von damals umgerechnet 92.694,66 Euro (im Modelljahr 2000) auf nun 102.112 Euro (im Modelljahr 2004). Ab Januar 2003 konnte der neue GT3 dann bei den Porsche-Zentren in Europa bestellt werden.
"Bügelbrett"
Eines der auffälligsten äusseren Merkmale des neuen GT3 waren die seit dem Modelljahr 2002 (genauer seit August 2001) bei allen Elfern vorhandenen Scheinwerfer in Tropfenform. Zusätzlich unterschied der neue sich im Vergleich zu seinem Vorgänger vor allem durch den neuen Heckflügel und die neuen Felgen, die aber wieder im 10-Speichen-Design ausgeführt waren. Allerdings war der zweite GT3 um 30 kg schwerer geworden (jetzt 1380 kg), was einem dynamischeren Fahrvergnügen nicht gerade zuträglich war.
Zwar konnte er dies durch seinen leistungsstärkeren Motor mehr als nur ausgleichen, dennoch wäre eine Gewichtsreduzierung nicht nur im Interesse der GT3 Kunden, sondern auch im Interesse von Porsche gewesen, da ein leichteres Fahrzeug tendenziell auch einen geringeren Verbrauch vorweisen kann und Porsche sich bisher in seiner Historie ja auch der Effizienz ihrer Fahrzeuge verpflichtet fühlt. Trotzdem war auch der zweite GT3 bei weitem nicht unsportlich: Sein Beschleunigungsvermögen, die Fahrdynamik und das Handling konnten substantiell verbessert werden.
Der zweite GT3 war mit dem überarbeiteten 3,6-Liter-Motor des 996 GT3 der ersten Serie ausgestattet, der nach einer grundlegenden Optimierung jetzt aber 381 PS bei 7400 min-1 leistete und nun statt bis maximal 7800 min-1 sogar bis 8200 min-1 drehen durfte, und zusätzlich ein maximales Drehmoment von nun 385 Nm (vorher 370 Nm) bei 5000 min-1 bieten konnte, und damit wie sein Vorgänger wieder zu motorsportlichen Vergnügen der besonderen Art bereitstand.
In den Fahrleistungen enttäuschte auch der neue GT3 seine Fans in keiner Disziplin: der Spurt von 0 auf 100 km/h wurde in 4,5 Sekunden absolviert (0,3 Sekunden schneller als beim Vorgänger), die maximale Geschwindigkeit stieg von 302 km/h auf 306 km/h, womit der neue GT3 sogar schneller als der 996 turbo (305 km/h) war; das Leistungsgewicht konnte von 3,75 kg/PS (5,1 kg/kW) auf 3,6 kg/PS (4,9 kg/kW) reduziert werden.
Die auch bei hohen Belastungen als sehr standfest geltende Bremsanlage des zweiten 911 GT3 basiert weitestgehend auf dem System des Vorgängermodells, wurde jedoch massgeblich weiterentwickelt und verfügt danach über vorn 350 Millimeter und hinten 330 Millimeter grosse Bremsscheiben, sowie Sechskolben-Aluminium-Monobloc-Festsättel an der Vorder- und Vierkolben-Aluminium-Monobloc-Festsättel an der Hinterachse.
Auf Wunsch liefert Porsche den 911 GT3 mit den erstmals beim 996 Turbo erhältlichen und beim 996 GT2 serienmässigen Keramikbremsen unter der Bezeichnung Porsche Ceramic Composite Brake (PCCB). Die gelochten und innenbelüfteten Keramikverbundbremsscheiben mit 350 Millimeter Durchmesser wiegen nur rund die Hälfte der serienmässigen Metallbremsscheiben und verringern damit die ungefederten Massen um 18 Kilogramm. In Verbindung mit dem ebenfalls vollkommen eigenständigen Bremsbelag entwickeln diese Keramikbremsscheiben bereits nach kurzer Verzögerung äusserst hohe und vor allem auf konstantem Niveau verbleibende Reibwerte während des gesamten Bremsvorgangs. Zudem gelten sie als nahezu resistent gegen das sogenannte „Fading“.
Ähnlich sportlich wie sein Äusseres ist auch der Innenraum des neuen 911 GT3 darauf ausgelegt, sowohl Fahrer als auch Co-Pilot zu verdeutlichen, dass sie in einer kompromisslosen Rennmaschine Platz nehmen. Spärlich gepolsterte und mit Leder bezogene Kunststoff-Schalensitze garantieren nicht alleine eine optimale Seitenführung, sondern vielmehr auch einen sehr guten Langstreckenkomfort.
Zudem verschaffen sie dem GT3 eine Gewichtsreduzierung von rund 20 kg gegenüber dem mit verhältnismässig luxuriösen Sitzen ausgestatteten 911 Carrera. Zur weiteren Verringerung des Fahrzeuggesamtgewichts ist der 911 GT3 ausschliesslich ohne Rücksitz-Anlage lieferbar, was wiederum wertvolle acht Kilogramm an für die Rundstrecke unnötigem Ballast einspart. Allerdings ist die Serienausstattung doch nicht übertrieben spärlich ausgefallen; auf Fahrer-, Beifahrer- und Seitenairbags sowie unter anderem elektrische Fensterheber wollte Porsche auch bei seinem Sportwagen nicht verzichten, ebenso wenig auf eine Wegfahrsperre mit Transpondersystem und die mittlerweile bei fast jedem Fahrzeug obligatorische Zentralverriegelung mit Funkfernsteuerung und Alarmanlage.
Das seit dem Facelift des Porsche 996 im Herbst 2001 bei allen Elfern (mit Ausnahme des Supersportlers 911 GT2) serienmässige Handschuhfach wurde auch dem neuen GT3 nicht vorenthalten. Auf Wunsch, aber selbstverständlich ohne Mehrpreis, ist für jene, die den GT3 ganzjährig bewegen – und auf Klimakomfort nicht verzichten wollen – auch noch eine Klimaanlage mit Aktivkohlefilter lieferbar.
Wieder auf Wunsch, und ebenfalls ohne Aufpreis, konnte auch die zweite Generation des 996 GT3 als Clubsport bestellt werden. Der Ausstattungsumfang ist nahezu identisch mit dem des Clubsport-Paketes für die erste Generation des 911 GT3. Konkret enthielt das Clubsport-Paket folgende Bestandteile: Einen mit der Karosserie verschraubten, lackierten und in die Fahrgastzelle integrierten Überrollkäfig, dessen vorderer Teil allerdings beigelegt und nicht serienmässig montiert ist, zudem Schalensitze mit schwer entflammbaren Bezugsstoff, rote 3-Punkt-Sicherheitsgurte bzw. für die Fahrerseite ein 6-Punkt-Sicherheitsgurt (beigelegt), eine Batteriehauptschalter-Vorrüstung sowie einen Feuerlöscher (beides beigelegt).
Im Vergleich zum Vorgänger entfielen nun beim Clubsport-Paket allerdings die Bestandteile der Beifahrerairbag-Abschaltung sowie die Option verstärkter Türen anstelle der Seitenairbags.