"Der Speedster ist sozusagen das Sonntagskind der internationalen Automobiltechnik. Er ist leichter als das Coupe und Cabriolet, noch rassiger in seiner Linienführung und für sonnige Tage der Wagen, den sich alle Glückspilze wünschen. Der Form nach ist er der Traumwagen von morgen. Pantherhaft geduckt - als könnte er jeden Augenblick zu einem machtvollen Sprung ansetzen - steht er da."
(Auszug aus dem Porsche Speedster Prospekt von 1955)
September 1953: Alles begann mit einem Gespräch in Amerika, zu dem sich der amerikanische Sportwagenenthusiast und Porsche Händler Max Hoffman und Vertreter des Porsche-Werkes - unter der Führung von Albert Prinzing - trafen. Hoffmann, auf dessen Anregung übrigens auch der Mercedes 300SL entstand, regte den Bau eines preiswerten, leichten und sportlichen Basismodells an. Der Verkaufspreis sollte unterhalb von 3'000 US$ liegen.
Zurück in Deutschland überlegten die Porsche-Mannen um Erwin Komenda, wie man solch ein Fahrzeug realisieren könnte. Sie nahmen die Standardkarosserie des Cabriolets als Basis. Um das Cockpit zu verkürzen, schweissten sie Bleche am hinteren Windlauf an. Damit sich die Türen übergangslos anschlossen, wurden sie kurzerhand in der Höhe gekürzt.
Erwin Komenda
Die aus dem Cabriolet vorhandenen Kurbelfenster wichen einfachen Plastikscheiben, die bei Bedarf eingesteckt werden konnten.
Den letzten Schliff bekam der Pre- oder Vor-A Speedster (diese Bezeichnung erhielt der erste Speedster inoffiziell erst nach Einführung des A-Modells...) durch die traumhaft gebogene, flache Windschutzscheibe und dem besonderes einfachen Verdeck.
Der erste Speedster mit der Chassis-N° 12223 hatte noch keine äusseren Türgriffe und Zierleisten...
Für den Antrieb des Speedsters sorgte der Standardmotor mit 1500ccm und 55 PS. Gegen einen Aufpreis von $ 500 wurde die 1500-S-Maschine mit 60 PS angeboten. Letztere Version wurde mit kürzerem dritten und vierten Gang geliefert.
Der spartanische Speedster wurde sofort zum Kassenschlager. Mit insgesamt 4722 gebauten Exemplaren bedeutete das einen fünzigprozentigen Anstieg der Porsche-Produktion in den Jahren 1955, 1956 und 1957.
Hoffman hatte mit seiner Idee genau ins Schwarze getroffen, wie auch Komenda mit seinem Entwurf und ebenso der Sportwagenliebhaber mit seiner Entscheidung für einen Wagen, der den wahren Geist automobiler Sportlichkeit verkörperte: Der Speedster!
Die typische Frontscheibe mit dem abgerundeten Rahmen fiel bei dem "neunen" Modell sofort ins Auge. Die Hutze auf dem Armaturenbrett mit integriertem Blendschutz bot zwei grossen Instrumenten, einem dazwischen angebrachten Kombiinstrument sowie verschiedenen Kontroll-leuchten Platz.
Das Zündschloss war rechts von der Lenksäule angebracht. Kurbelfenster, ein gefüttertes Verdeckt oder eine Scheibenwaschanlage suchte man vergebens. Der Speedster zeichnet sich durch absolute Schlichtheit aus. Leibau in Form von Weglassen aller nicht unbedingt nötigen Bauteile war und ist seine Spezialität. Das waren schon 1954 die Garanten für sportwagenmässigen Fahr-leistungen.
Der Speedster war mit seiner flachen Windschutzscheibe gerade mit geöffnetem Verdeck ein optischer Leckerbissen. Die harmonische 356er Form kam in dieser Karosserieversion besonders gut zur Geltung.
Bedingt durch die tiefe Sitzposition im Speedster hatte man das Aramturenbrett modifiziert. Die beiden grossen Rundinstrumente mit dem kleinen Ölthermometer dazwischen waren in einem erhöhten "Höcker" untergebracht.
Die erste Präsentation des 356A fand im Herbst 1955 auf der Automobil-Ausstellung in Frankfurt statt.
Für sportlich ambitionierte Kunden hielt Porsche weiterhin den Speedster bereit. Mit wehenden Haaren konnte man hier ein Minimum an Ausstattung und ein Maximum an Fahrspass geniessen.
Der Speedster wurde als 1600 mit 60 PS (laufruhig und elastisch) oder als 1600S mit 75PS angeboten.
Dean im 55er Speedster..
Beim 356A T1 waren die hinteren Kotflügel etwas weniger weit herunter-gezogen also beim Vor-A; die 4 Rücklichter/Blinker waren aber immer noch vorhanden...
Die Kennzeichenleuchte hinten war nun über dem Nummernschild positioniert und beinhaltete den Rückfahrscheinwerfer. Unter der markanten Hutze befanden sich nunmehr 3 grosse Rund-instrumente. Für Puristen hat der Speedster das schönste Armaturenbrett. Als einziger Porsche 356 hatte er - wie seine Nachfolger - das Zündschloss rechts neben dem Lenkrad.
Die als "technisches Programm II" bezeichnete Variante des Porsche vom Typ T2.
Der 356A sollte gegenüber dem Vormodell viele Verbesserungen im Detail erfahren, die im Herbst 1957 in die Serienfertigung einflossen.
Damit das Fahren noch sportlicher wurde, hat man die Schaltwege des Getriebes verkürzt und gleichzeitig den Schalthebel um 130mm weiter nach hinten versetzt. Dadurch bedingt, wanderte die Heizungsbetätigung vor den Schalthebel.
Die bisherige Spindellenkung wurde mit der Einführung des ZF-Einfinger-Lenkgetriebes ersetzt, was ebenso zum besseren Handling des Fahrzeuges beitrug wie die verbesserte Kupplung.
Die 4 Knuddelleuchten wurden durch die sognenannten "Teardrops-Leuchten" ersetzt.
Ab 1957 konnte für die Speedster-Modelle - später auch für den Convertible D - ein Hardtop geordert werden. Es verlieh dem Fahrzeug ein gedrungenes, kraftvolles Erscheinungsbild und sah viel eleganter aus als das geschlossene Stoffverdeck.
Der Speedster mit USA-Stossstangen, die dort wegen der dafür festgelegten Höhe Pflicht waren. Die Scheinwerfergitter schluckten Licht, sahen aber schick aus.
Im Spätsommer 1958 standen wieder Karosserieveränderungen an.
Die immer stärkere Forderung nach mehr Komfort war mit dem rustikalen Speedster nicht mehr zu realisieren.
So entstand eine etwas luxuriösere Offenversion, die in dem Karosseriewerk Drauz in Heilbronn hergestellt und zunächst "Speedster D" genannt wurde.
Flüchtig betrachtet geht der D ohne weiteres als Speedster durch. Dem "echten" Speedster-Fan aber fielen sofort die, bedingt durch das nun höhere Gewicht, träger gewordenen Fahrleistungen auf. Lediglich 2 Modelle wurden mit dem Carrera-Motor ausgerüstet...
Die Idee für einen neuen Motor kam von Ferry Porsche. Man wusste, dass dem auf dem VW basierenden Stossstangenaggregat des Porsche im Renneinsatz, bald die Puste ausgehen würde. Es musste also eine Lösung gefunden werden.
Ferry hielt es für durchaus möglich, mit der neuen Konzeption eine Literleistung von 70 PS zu erreichen - für damalige Verhältnisse ein fantastischer Wert.
Ernst Fuhrmann, wie die Porsches östereichischer Abstammung, wurde mit diesem Projekt betraut.
Das neue Triebwerk, dass schliesslich aus Fuhrmanns Entwicklungsarbeit - ein Viernockenmotor, Typ 547 genannt - hervorging, spuckte seine ersten Töne im März 1953, wurde im August auf dem Nürburgring ersten Tests unterzogen (als Antrieb für einen 550 Spyder) und errang seinen ersten grossen Sieg (ebenfalls in einem 550 Spyder) auf der Carrera Panamericana.
Obwohl man diesen Motor speziell für Rennzwecke konstruiert hatte, zog man bereits sehr früh seinen Einsatz in einem ultimativen Strassensportwagen in Erwägung. 1955 war es soweit und eine Porsche-Legende war geboren - der Ursprung vieler weiterer Legenden, alle mit dem Namen Carrera!
Eine Rarität unter den Raritäten war der Carrera GT Speedster, der gegen Ende 1958 vorgestellt und nur 25 mal gebaut wurde.
Die Motorleistung von 115PS und eine Höchstgeschwindigkeit von über 200 km/h machten den Carrera zu einem unbesiegbaren Gegner auf der Rennstrecke. Bruce "King Carrera" Jennings gewann mehr Rennen am Steuer seines Carrera Speedster als irgend jemand sonst.
Der schwarze Carrera Speedster GT (Chassis 84910) gehört Chuck Stoddard.
Chucks Carrera..
Direkt ab Werk verlor sich seine Spur, bis er 1982 völlig überaschend auf einer Insel vor der Westküste Afrikas wieder auftauchte. Stoddard erfuhr von dem seltenen Stück, kaufte es ungesehen und brachte es auf dem Luftweg in die USA.
Schwer gezeichnet musste der Speedster einer kompletten Restaurierung unterzogen werden, die ihn wieder in den Neuzustand zurückversetzte.