Bereits vor seinem Erscheinen war der VW Porsche in aller Munde. “Er wird in der Normalausführung nicht mehr als etwa 12 000 DM kosten und als Mittelmotorwagen dem letzten Stand der Sportwagentechnik entsprechen”, wusste das Fachblatt auto motor und sport im Januar 1969 zu berichten. Deutschlands größter und kleinster Automobilhersteller, nämlich VW und Porsche, hatten sich damals zusammengetan, um ein sportliches Auto im unteren Preisbereich zu entwickeln. Die Entscheidung für den Mittelmotor erklärte eine zeitgenössische Pressemitteilung: “Selbstverständlich waren bei dieser Neuentwicklung die Rennsporterfahrungen des Hauses Porsche entscheidend für die Gesamtkonzeption.”
Ziel war es, ein handliches und kurvenschnelles Auto zu entwickeln, und die Karosserie sollte trotz abnehmbarem Dachteil ähnlich haltbar und torsionssteif werden wie die des 911. Mit der Herstellung des Blechkleids wurde die Firma Karmann in Osnabrück beauftragt. Als Antriebsquelle sollten der Motor des VW 411 E und des Porsche 911 T verwendet werden.
Die Öffentlichkeit konnte den VW Porsche, der auch die Gründung der VW Porsche Vertriebsgesellschaft mbH erforderlich gemacht hatte, erstmals 1969 auf der IAA in Frankfurt bewundern. Das Design entpuppte sich dabei als gewöhnungsbedürftig, “weniger Schaustück, mehr sportlicher Funktionalismus”, beschrieb die Zeitschrift mot das Erscheinungsbild, und der Journalist eines anderen Blattes fühlte sich beim Anblick der ausgefahrenen Klappscheinwerfer gar an Hasenohren erinnert.
1970 - 914 und 914/6
“Nennen Sie das Auto bitte nicht Volksporsche”, bat Pressesprecher Huschke von Hanstein damals die Journalisten, aus Angst, die Bezeichnung könnte die Qualitäten des Autos untergraben. Wie bei jedem Fahrzeug fanden die Tester natürlich einige kritikwürdige Dinge, aber auch viel Lobenswertes: “Der 914 ist ein kompakter, geräumiger Mittelmotorsportwagen – eine gelungene Konstruktion”, stellte die amerikanische Zeitschrift Car & Driver fest. Tatsächlich bot der Zweisitzer dank zweier Kofferräume, von denen einer auch noch das abnehmbare Targadach aufnehmen konnte, überdurchschnittlich viel Raum für Gepäck.
Als herausragend beschrieb auto motor und sport die Fahreigenschaften: “Je schwieriger die Strecke, um so eindrucksvoller demonstriert er seine Handlichkeit, Wendigkeit und Kurvensicherheit, die ihn zur Fahrmaschine werden lässt.” Der 1,7-Liter-Motor mit 80 PS besaß ein durchschnittliches Temperament, während der äußerlich nur an den Fünflochfelgen zu erkennende 914/6 ganz anders zur Sache ging. Sein 110 PS starker 6-Zylindermotor aus dem Porsche 911 T ließ den Wagen unter beeindruckender Geräuschentwicklung in weniger als neun Sekunden auf 100 km/h stürmen und ermöglichte eine Spitze von über 200 km/h. “Nicht ganz unbeteiligt an den überlegenen Fahrleistungen ist das hervorragend abgestufte Fünfgang-Getriebe”, erkannte der Tester von auto motor und sport, der den 914/6 begeistert als “Fahrinstrument reinsten Wassers” bezeichnete.
Der Preis von 19 000 DM, der letztendlich den Absatz größerer Stückzahlen dieses Modells verhindern sollte, erklärte das Fachblatt mot wie folgt: “Der Laie ist traurig, aber der Fachmann wundert sich nicht: Aufwendige Technik lässt sich in kleiner Serie nicht billiger verkaufen.”
1971 - Verchromte Stossstangen
Mit relativ geringen Veränderungen rollten die in zeitgemäß knalligen Farben wie beispielsweise zitronengelb und signalorange lackierten VW Porsche in das zweite Modelljahr. Das für den 914/4 so beliebte S Paket kostete nun 745 DM und enthielt verchromte Stoßstangen, einen mit schwarzem Kunstleder bezogenen Targabügel, Chromleisten auf den Türschwellern und den Radausschnitten sowie eine mit Halogenscheinwerfern kombinierte Lichthupe und ein Zweiklanghorn. Neu hinzu kam ein Lederlenkrad. Auf Wunsch gab es ferner Felgen der Breite 5,5 Zoll mit 165er Reifen, Sicherheitsgurte und nach wie vor das originelle Zusatzkissen, mit dem sich der Wagen zum Dreisitzer erweitern ließ.
Zum Serienumfang gehörten eine Scheibenwaschanlage, deren Flüssigkeitsbehälter wie beim VW Käfer über einen Schlauch mit der Druckluft des Reserverades gespeist wurde, und ein Kleiderhaken auf der Beifahrerseite. Außerdem waren die Kanten der Aussparung für das Nummernschild in der Heckstoßstange etwas rundlicher gestaltet worden. Und damit die Beifahrerin nicht immer den Innenspiegel verdrehen musste, um ihren Lippenstift aufzufrischen, wurde im Verlauf des Modelljahres auch ein Schminkspiegel in die Sonnenblende integriert.
Ab Mai war für den 914/6 das M471-Paket lieferbar, das den Wagen optisch in einen rennmäßigen GT verwandelte. Dazu gehörten Kotflügelverbreiterungen, Sechszoll-Fuchsfelgen, Fiberglasschweller und ein Frontspoiler. Nach wie vor war der hohe Preis ein Kritikpunkt, denn damit konkurrierte der 914 mit Fahrzeugen höherer Klassen, was seiner Attraktivität schadete, “trotz der makellosen Straßenlage, der exzellenten Verarbeitungsqualität, dem hohen Komfort und seiner Einzigartigkeit”, wie das Magazin British Car mit Bedauern notierte.
1972 - Neue Luftdüsen
Zum neuen Modelljahr vermerkte die Presseabteilung: “Äußerlich finden Sie die Wagen unverändert. Diese Modellkonstanz werden Sie begrüßen. Sie bedeutet jedoch keineswegs einen Stillstand in der technischen Entwicklung.” Tatsächlich lagen die Verbesserungen im Detail. Einige davon listete das Magazin Road & Track auf, das in Amerika erschien, wohin auch rund 70 Prozent der jemals gebauten 914 verkauft werden sollten. “Der geräumige, komfortable Innenraum zeigt sich für 1972 leicht überarbeitet, mit neuen Luftdüsen an den äußeren Enden des Armaturenbretts, die sehr effektiv sind”, bemerkten die Amerikaner, und weiter, “Scheibenwischer und -wascher werden jetzt über einen Lenkstockhebel bedient, wie im 911.” Wie viele Tester begrüßten sie auch den lang ersehnten verstellbaren Beifahrersitz, womit die bisherige Fußstütze für den Copiloten wegfiel, die werksintern Hundeknochen genannt wurde.
Die Motoren hatten eine Abgasentgiftungskur über sich ergehen lassen müssen, ohne allerdings an Leistung einzubüßen. Mittlerweile war der 914 zum meistverkauften deutschen Sportwagen avanciert, woran das 6-Zylindermodell jedoch nur einen geringen Anteil hatte. Es sollte im kommenden Modelljahr nicht mehr angeboten werden.
1973 - 914 2.0
Nach dem Wegfall des 914/6 bekam die Basisversion des 914 wieder einen großen Bruder, den 914 2.0 mit einem 100 PS starken und zwei Liter großen 4-Zylinder-Motor. “Damit hat die VW Porsche Vertriebsgesellschaft in Ludwigsburg ein neues Modell im Programm, das dem viel geäußerten Kundenwunsch nach höherer Leistung zum angemessenen Preis voll nachkommt”, informierte die Presseabteilung die Fachkollegen.
“Dem Sportwagen-Ideal, in erster Linie Leistung und Straßenlage zu bieten, ist der 914 2.0 insgesamt ein gutes Stück näher gerückt”, stellte dann auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung in einem Testbericht fest. Und auto motor und sport notierte: “Dass die Leistungskur bei dem VW-Motor gut angeschlagen hat, registriert man bereits nach wenigen Metern Fahrt: Über den gesamten Drehzahlbereich ist ein erfreulicher Temperamentszuwachs zu verzeichnen.” Das amerikanische Magazin Motor Trend brachte es auf den Punkt: “Geben Sie ordentlich Gas, um seine Vorzüge zu erfahren.” Übrigens brachte es in den USA der Zweiliter wegen erforderlicher Maßnahmen zur Abgasreduzierung nur auf 95 PS, beim 1,7 Liter blieben von den 80 PS nur 72 übrig.
Zu den Modifikationen des Jahrgangs ´73 zählten beispielsweise eine im unteren Bereich um sieben Zentimeter gekürzte Heckschürze, durchweg mattschwarze Stoßstangen und eine Verbesserung der Schaltgestängeführung, die oft ein Kritikpunkt war. Gegen Aufpreis konnte ein Komfortpaket mit folgenden Details bestellt werden: Veloursteppich, Sportlenkrad, Mittelkonsole mit Zeituhr, Ölthermometer und Voltmeter, Ledermanschette für den Schalthebel, Doppeltonhorn, Überrollbügel mit Vinylbezug und Chromleisten. Das Sportpaket beinhaltete Leichtmetallfelgen, Stabilisatoren an Vorder- und Hinterachse und Halogenscheinwerfer.
1974 - Schwarze Scheinwerferverkleidungen
Die VW Porsche des Modelljahres 1974 konnten bereits 1973 auf der IAA in Frankfurt bewundert werden. Bei geöffneten Klappscheinwerfern waren die neuen Versionen an der Farbe der Scheinwerferverkleidungen auszumachen, die sich nun schwarz statt weiß präsentierten. Die damalige Pressemitteilung fasste die wichtigsten Neuerungen für den weiterhin unangefochten meistverkauften Sportwagen Deutschlands unter dem Motto “war es in erster Linie der Wunsch, dem Käufer noch mehr Sicherheit und Komfort zu bieten” zusammen: “So werden jetzt alle 914 serienmäßig mit Sportfelgen und Dreipunkt-Sicherheitsgurten geliefert. Beim 914 2.0 kommen Frontscheibe in Verbundglas und vinylüberzogerner Überrollbügel (bisher nur gegen Aufpreis) hinzu.”
Der kleine 914 hatte außerdem ein neues Triebwerk bekommen, das als “spritziger und spurtfreudiger” bezeichnte wurde. Der Hubraum betrug nun 1,8 Liter und die Leistung war um fünf auf 85 PS geklettert.
Nach der IAA fand im Oktober 1973 der Pariser Auto-Salon statt, wo die Firma Karmann zwei 914 in besonders auffälliger Aufmachung zeigte. Daraus entstand die Sonderversion 914 GT, die in den USA als Limited Edition vermarktet wurde. Die auffällige Lackierung bestand in Schwarz mit in Gelb gehaltenen Stoßstangen, Schwellern, Seitenstreifen, Rädern, unterem Heckabschluss und Frontspoiler. Als Alternative wurde hellelfenbein in der Kombination mit orange angeboten. Die 70er Jahre waren eben sehr farbenfroh.
1975 - Das Sonnen-Coupe
Das “Sonnen-Coupé”, wie der VW Porsche in einer Werbeanzeige genannt wurde, bekam für das Modelljahr 1975 Sicherheitsstoßstangen spendiert, die einen Aufprall mit bis zu acht km/h unbeeindruckt wegsteckten. Bei den US-Versionen wurden die Stoßfänger um Dämpferelemente und für manche Bundesstaaten noch um Hörner ergänzt. Amerikanische VW Porsche Fahrer mussten sich mit einer weiter reduzierten Leistung abfinden, sofern sie die Zweilitervariante wählten. Durch die erforderlichen Abgasentgiftungsmaßnahmen leistete der Motor nur noch 88 PS, aber die europäischen Porsche 914 Käufer konnten sich weiterhin am Temperament der 100 PS erfreuen. Für sie gab es sogar ein weiteres Sondermodell, die sogenannte Silberserie. Dabei handelte es sich um 914 2.0 mit silberfarbener Karosserie und einigen Extras wie Aluminiumfelgen und getönten Scheiben. Als Zusatzausstattung war übrigens jetzt für alle 914 ein neu gestalteter Frontspoiler erhältlich.
Zwei Autozeitschriften starteten 1975 eine Umfrage bei den Besitzern eines VW Porsche 914. So stellte das amerikanische Fachblatt Road & Track beispielsweise die Frage: “Würden Sie den 914 noch einmal kaufen?” Beeindruckende 89 Prozent antworteten mit einem klaren “Ja”. Als besonders sportliche Fahrer entpuppten sich die Befragten der deutschen Zeitschrift sport auto. Denn die gaben zu 82 Prozent an, sich den 914 wegen der guten Straßenlage gekauft zu haben, und 79 Prozent wünschten sich noch mehr Leistung.
1976 - Nur noch für die USA
Nur noch die Amerikaner kamen in den Genuss des Modelljahres 1976, die sich eh als die treuesten Anhänger dieses markanten Mittelmotorsportwagens gezeigt hatten, der “mal Coupé mal Cabrio” sein konnte, wie die Werbetexter damals oft hervorhoben.
Die Zeitschrift Sports & GT Cars schrieb: “Der 1,8 Liter war 1974 und 1975 erhältlich und ist jetzt entfallen. Macht aber nichts.” Tatsächlich hatte ja der Zweilitermotor wegen der aufwendigen Abgasreduzierung schon genügend Federn lassen müssen und leistete nur noch 88 PS, beim 1,8 Liter, der für die USA mit Bosch-L-Jetronic versehen wurde, waren es zuletzt 76 PS gewesen.
Den einzigen optischen Unterschied zum Modell des Vorjahres dokumentierten die hinteren Schriftzüge, die nun aus schwarzer Klebefolie bestanden. Insgesamt wurden 4075 Exemplare des 76er Jahrgangs hergestellt, und im Frühjahr endete die Produktion.