Kurz vor Ende des 2. Weltkriegs emigrierte die Firma Porsche nach Österreich. In Gmünd in Kärnten begann Ferry Porsche, die Idee von einem sportlichen Volkswagen zu verwirklichen. Sein Vater hatte dies schon lange im Sinn, befand sich aber zu diesem Zeitpunkt in französischer Gefangenschaft. 1947 entstand ein Cabrio mit Rohrrahmenchassis und Alu-Karosserie mit einem mittig angeordneten, frisierten VW Käfer-Motor. Die Schweizer Automobil Revue testete diesen Porsche Nummer 1 und lobte: “So stellt man sich tatsächlich die Fahreigenschaften eines modernen Wagens vor.
”Die positiven Reaktionen auf den Roadster stimmten Ferry Porsche optimistisch. Es wurde eine kleine Serie von Sportwagen geplant, allerdings mit einer praktischeren Raumaufteilung. Der Motor rückte deshalb wieder wie beim Käfer ins Heck und das Rohrgerüst wich einem Blechpressrahmen. Die Karosserien, es gab eine Coupé- und eine Cabrioausführung, waren aus Aluminium und entstanden in Handarbeit. Die Urversion des 356/2 war geboren, und schon damals begeisterte der 356 durch sein sportliches Fahrverhalten und seine Schnelligkeit. Immerhin erreichte er mit nur 40 PS rund 140 km/h Spitze.
Die Serie lief Ende 1948 an und endete zwei Jahre später. Insgesamt waren 52 Autos ausgeliefert worden. Die leichten und verwindungssteifen Gmünd-Autos eigneten sich übrigens hervorragend für den Rennsport.
1950 - 1951 - Porsche 356 Coupe und Cabrio
Ein historischer Augenblick: Am Gründonnerstag 1950 rollte der erste in Stuttgart gebaute Typ 356 aus der Werkshalle. Bereits im November 1949 hatte Porsche die Firma Reutter mit dem Bau von 500 Coupés beauftragt, während die Firma Gläser/Heuer eine kleine Serie von Cabrios auflegen sollte. Die Verwandtschaft des neuen deutschen Sportwagens zum VW Käfer war noch allgegenwärtig und selbst in Details wie den Radkappen erkennbar. Genau wie die Besitzer des Wolfsburger Krabbeltiers mussten die Porsche Fahrer den aktuellen Tankinhalt mit einem Peilstab ausloten. Doch der im Heck montierte, luftgekühlte 1,1-Liter-Boxermotor mit 40 PS katapultierte den aerodynamisch günstig geformten 356 in eine deutlich höher angesiedelte Leistungsklasse.
Ein Fall für Könner war das unsynchronisierte 4-Gang-Getriebe, von den Amerikanern treffend “Crash Box” genannt. Laut einer Anekdote musste damals jeder Kunde, der ins Werk kam, eine Probefahrt absolvieren. Erwies er sich als schlechter Fahrer und krachte es ständig beim Schalten, sollen die Monteure augenzwinkernd auf Schwäbisch gesagt haben: “Dem verkaufa mer koi Audo, der hot's net verdient.”
Schon von Beginn an besaß der 356 eine besondere Ausstrahlung, der auch Adlige wie der Herzog von Harrar, Fürst Metternich oder Schauspielerinnen wie Marika Rökk und Hannelore Schroth erlagen. Das Auto verkaufte sich besser, als seine Väter dachten, und schon am 21. März 1951 war das 500. Exemplar fertiggestellt. Für die zweite Serie, die in einer 1000er Auflage ab Ende März entstehen sollte, waren etliche Verbesserungen vorgesehen, so zum Beispiel verrippte Aluminiummäntel für die Bremstrommeln oder ab April Teleskopstoßdämpfer an der Hinterachse. Ein ungewöhnliches Extra stellte ein Zwischenstück zur Verlängerung der Lenksäule dar, damit auch kurzarmige Porsche-Piloten das Volant bequem erreichen konnten.
Den Wunsch nach mehr Leistung befriedigte ein neuer 1,3-Liter-Motor mit 44 PS. Aber nicht nur damit festigte Porsche seinen sportlichen Ruf, sondern auch durch Erfolge im Motorsport wie einen Klassensieg beim legendären Langstreckenrennen in Le Mans und bei der halsbrecherischen Tour Lüttich-Rom-Lüttich.
1952 - America Roadster
Optische Retuschen verfeinerten das Erscheinungsbild des von vielen ins Herz geschlossenen deutschen Sportwagens. Ab April fiel der Mittelsteg in der Frontscheibe weg, und wegen des nun einteiligen Glases mit einem Knick in der Mitte nennen die Enthusiasten dieses Modell heute liebevoll “Knickscheibe”. Auf der Fronthaube wurde ein größerer Griff montiert. Im Innenraum hielten neue Instrumente mit grünen Ziffern Einzug, und ab jetzt gehörte ein Drehzahlmesser zur Serienausstattung. Ab Juni rückten die Stoßstangen etwas weiter von der Karosserie ab und bekamen eine Zierleiste mit Gummieinlage.
Für neuen Schub sorgte bei diesem Jahrgang ein 1,5-Liter-Motor, der zunächst mit rollengelagerter Kurbelwelle gebaut wurde und 60 PS leistete. Ein derart befeuerter Porsche gehörte damals zu den schnellsten Straßenautos und das Fachblatt auto motor und sport schrieb anerkennend, dass “dessen Fahrleistungen in Bezirken liegen, die nur noch einem kleinen Teil von Fahrern offenstehen”. Ab Oktober besaß der 1500er Motor, nun mit dem Kosenamen Dame versehen, eine gleitgelagerte Kurbelwelle und die PS-Zahl betrug 55 PS.
Eine kurze Episode war der speziell für die USA entwickelte und heute geheimnisumwitterte America Roadster (Typ 540). Die leichte Alukarosse mit eigenständigem Design wurde bei Heuer in Weiden bei Nürnberg gebaut, aber als Heuer pleiteging, endete auch die Geschichte dieses Roadsters. Immerhin können die 16 produzierten Exemplare als Vorläufer des Speedster gesehen werden.
1953 - Besser schalten und bremsen...
Mit dem Porsche Synchrongetriebe eröffnete sich eine neue Dimension des Fahrens in seiner schönsten Form. Die Porsche des Modelljahres 1953, das bereits im Oktober 1952 begonnen hatte, ließen sich nicht nur besser schalten, sondern auch besser bremsen, denn der Durchmesser der Bremstrommeln war von 230 auf 280 mm gewachsen. Zu den optischen Retuschen zählten nochmals weiter von der Karosserie weggerückte Stoßstangen mit Hörnern, runde Rückleuchten (je zwei pro Seite) und direkt unter den Scheinwerfern positionierte Blinklichter.
Endlich gab es auch das besonders von ausländischen Kunden gewünschte Qualitätssiegel, ein spezielles Porsche Wappen, eingelassen in den Signalknopf des neuen VDM-Zweispeichen-lenkrads. Das Emblem stellte eine Kombination aus den Wappen des Firmensitzes Stuttgart und Baden-Württemberg sowie dem Porsche Schriftzugt dar und reifte in kurzer Zeit zum Symbol für zuverlässige und schnelle Sportwagen.
Den Leistungsgipfel markierte ein 1,5-Liter-Motor mit rollengelagerter Hirth-Kurbelwelle und satten 70 PS, einem firmeninternen Schreiben vom Oktober 1952 zufolge ursprünglich nur gedacht “für die Rennfahrer, die sich an Rennveranstaltungen beteiligen”.
1954 - Der neue 1300-S-Motor mit 60 PS
Das Leben mit einem 356 gestaltete sich zunehmend komfortabler. Die entsprechenden Änderungen reichten von zusätzlichem Antidröhnmaterial über neu gestaltete Sitze, Bosch-Fanfaren, einer pneumatischen Benzinuhr, einer verbesserten Scheibenwaschanlage bis hin zum Beifahrer-Haltegriff oder gar zwei Kleiderhaken.
Die Cabrio-Fahrer genossen bei geschlossenem Verdeck dank eines vergrößerten Heckfensters eine bessere Rücksicht, während sich die Coupé-Fahrer auf Wunsch zusätzlichen frischen Wind um die Nase wehen lassen konnten, denn ab April ergänzte ein mechanisches Stahlschiebedach die Zubehörliste. Neu im Programm war der 60 PS starke 1300-S-Motor, der bereits auf dem Pariser Salon im Oktober des Jahres 1953 sein Debüt gegeben hatte.”
Das Porsche Fahren anno 1954 beschrieb ein britischer Journalist in The Autocar mit den Worten: “Es ist ein Gefühl, als würde man durch den Raum sausen, während die Straße genau vor einem schnell verschlungen wird und von hinten das unterdrückte Motorgeräusch erklingt.
1955 - Der Speedster
Im September 1954 präsentierte Porsche ein neues Modell, das zur Legende werden sollte – den Speedster. Der neue Frischluft Porsche, speziell für den amerikanischem Markt gedacht, entsprach der Devise: “Weniger ist mehr”. Die spartanische Ausstattung machte das Auto nicht nur leichter, sondern auch billiger, und somit war der Speedster die günstigste Möglichkeit, Fahrspaß made by Porsche zu genießen.
Die rassige Linie mit der niedrigen Windschutzscheibe blieb selbst bei geschlossenem Notverdeck erhalten. Über die Bemerkung des TÜV Stuttgart anlässlich der Typisierungsabnahme konnten die zahlreichen Liebhaber der Fahrmaschine Speedster nur schmunzeln: “Bei geschlossenem Dach sind die Notsitze für Personen über 1,60 Meter nur dann benutzbar, wenn für den Kopf jeden Mitfahrers ein Loch in das Verdeck geschnitten wird.
”Doch das 55er Porsche Programm wurde nicht nur durch eine neue Karosserieform aufgewertet: Ab November 1954 bekamen die Motoren ein dreiteiliges Kurbelgehäuse, und der Fahrsicherheit kamen ein vorderer Querstabilisator sowie verstärkte Achsschenkel zugute.