Die erste grössere Überarbeitung der 911-Karosserie im Jahre 1973 wurde durch ein US-Gesetz ausgelöst, das bei allen neu zugelassenen Fahrzeugen forderte, einen Stoss bei einer Geschwindigkeit von 5 mph = 8 km/h unbeschadet überstehen zu können. Um den wichtigen US-Markt nicht zu verlieren, wurde der 911er entsprechend mit in die Stossfänger integrierten Pralldämpfern überarbeitet. Die Pralldämpfer wurden bei Modellen, die nicht für den US-Export bestimmt waren, durch günstigere Prallrohre ersetzt. Diese mussten nach Parkremplern ausgetauscht werden, was bei den elastischen Pralldämpfern nicht nötig war. Die Pralldämpfer konnten als Extra bestellt werden.
Jedes Modelljahr des 911 wird Porsche-intern mit einem Buchstaben bezeichnet. Die Zählung begann Mitte 1967 mit dem Modelljahr 1968 als A-Serie und endete mit dem Modelljahr 1979; der M-Serie (Buchstabe I wurde nicht vergeben). Die Modelle ab 1980 werden als Programm bezeichnet: Modelljahr (Mj.) 1980 als A-Programm bis zum Mj. 2000, dem Y-Programm. Die Buchstaben I, O, U und Q wurden nicht benutzt. Mj. 2001 ist das 1-Programm, Mj. 2002 das 2-Programm u.s.w. Ab Modelljahr 2010 soll wieder das Alphabet einsetzen).
Das G-Modell (korrekt: Die G-Serie) erschien Mitte 1973 (Modelljahr 1974) und der 911 wurde mit dieser Karosserie 16 Jahre bis Mitte 1989 (Ende K-Programm) hergestellt. Obwohl strenggenommen nur das Modelljahr 1974 als „G-Modell" bezeichnet werden darf, werden allgemein alle 911-Typen der Baujahre 1973 bis 1989 so genannt. Mit dem K-Programm ab Mitte 1988 startete gleichzeitig die Produktion des Nachfolgetyps Porsche 964.
Karosserie
Der Hauptunterschied zwischen dem Urmodell und dem G-Modell sind vor allem die grossen Stossstangen des neueren 911ers – diese sind wuchtiger geraten. Vor allem die faltenartigen Kunststoffübergänge zwischen den Stossstangen und der Karosserie haben dem Modell den Spitznamen „Faltenbalg-Porsche" eingebracht.
Die vorderen Blinkleuchten wurden von den Kotflügelecken in den Stossfänger versetzt. Am Heck ist zwischen den Rückleuchten ein durchgehendes rotes Reflektorband mit der Aufschrift „Porsche“ hinzugekommen. Sportlichere Modelle, wie z.B. der Carrera oder der Turbo, haben weiter nach aussen ausgestellte Kotflügel vorne und besonders hinten, um breitere Räder aufnehmen zu können. Andere Unterschiede an der Karosserie zu dem Urmodell, wie z.B. der nochmals vergrösserte Radstand, sind optisch kaum zu erkennen.
Der Wagen wurde zunächst in den Ausstattungsvarianten 911, S und Carrera angeboten. Mit einer breiteren Karosserie wurde ab Anfang 1975 (H-Serie) der neue 911 Turbo ausgeliefert, der bei Porsche intern die Entwicklungsnummer 930 hat und daher auch oft als Porsche 930 bezeichnet wird.
Das 911-G-Modell war als Coupé, Targa und ab 1983 auch als Cabriolet erhältlich. Im Jahre 1989 wurde auch eine Kleinserie des Speedsters aufgelegt.
Motoren
Ab G-Modell haben alle 911er Typen Motoren mit mindestens 2,7 Liter Hubraum. Die Leistung des Einstiegsmodells 911 betrug 110 kW (150 PS); der Typ 911 S hatte 129 kW (175 PS).
Statt der aufwändigen mechanischen 6-fach-Einspritzpumpe bekamen 911 und 911 S als eine der ersten Autos 1973 die einfachere K-Jetronic, die auch für einen geringeren Schadstoffausstoss und Verbrauch sorgte. Bosch hatte das System ab 1970 in enger Zusammenarbeit mit Porsche entwickelt.
Carrera 3,2-Liter..
Eine Ausnahmestellung nimmt der Carrera 2.7 ein, in welchem noch zwei Jahre der Motor des „RS" mit mechanischer Doppelreihen-Einspritzpumpe verbaut wurde, der eine Leistung von 154 kW (210 PS) erreicht. Dank niedriger Stückzahlen (Coupe: 1534 Targa: 610) stellt der 2.7 Carrera ähnlich wie der RS ein gesuchtes Sammlerstück dar.
Verschärfte Abgasgesetzgebungen in den Hauptabsatzmärkten USA, Japan und Europa führten dazu, dass Porsche in Verbindung mit der Einführung der Katalysatortechnik Mitte 1983 die K-Jetronic durch das elektronische Einspritz- und Zündsystem Motronic (DME) mit Schubabschaltung von Bosch ersetzte. Der seit 1974 gebaute 911 Turbo (siehe Porsche 930) war noch bis 1989 mit der K-Jetronic versehen. Im gleichen Modelljahr 1984 (E-Programm) erfolgte eine Hubraumsteigerung auf 3,2 Liter. In Verbindung mit der DME konnte die Motorleistung von 150 kW (204 PS) auf 170 kW (231 PS) gesteigert werden. Dabei wurde der Verbrauch trotz des erhöhten Hubraums und der Leistungssteigerung verringert.
Die neuen 3,2-Liter-Motoren des nun „Carrera" genannten Modells bekamen einen hydraulischen Kettenspanner, der am Ölkreislauf des Motors angeschlossen war. Für den US-amerikanischen und japanischen Markt war eine niedriger verdichtete (9,5:1) Ausführung mit 153 kW (207 PS) vorgesehen. Der ab Mitte 1984 (F-Programm) für Deutschland als Sonderausstattung und in der Schweiz und Österreich serienmässige Typ mit geregeltem Katalysator und Lambdasonde war für unverbleites Superbenzin (Eurosuper) mit 95 Oktan ausgelegt und leistete anfangs ebenfalls 153 kW (207 PS), später 160 kW (217 PS).
Eine Besonderheit ist der Porsche 911 Turbo, dessen Motor mittels Turbolader aus 3 Litern Hubraum 191 kW (260 PS) bereitstellt. Ab 1978 wurde mittels Hubraumerhöhung auf 3,3 Liter und einem zusätzlichen Ladeluftkühler die Leistung auf 221 kW (300 PS) erhöht, die das Turbo-Modell bis zum Produktionsende 1989 hatte. Ab Mitte 1983 war der Wagen in den USA wegen der schärferen Abgasvorschriften nicht mehr lieferbar.
Motorvarianten Carrera 3.2 Liter
Motor
ohne Kat
1)
2)
3)
Motor Typ
930/20
930/25
930/25
930/26
Hubraum (cm3)
3164
3164
3164
3164
Verdichtung
10,3:1
9,5:1
9,5:1
9,5:1
Oktanzahlbedarf (ROZ)
98
95*
91*
98
Leistung (kW/PS)
170/231
160/217
152/207
170/231
bei Drehzahl (U/Min)
5900
5900
5900
5900
Drehmoment (Nm)
284
265
260
265
bei Drehzahl (U/Min)
4800
4800
4800
4800
Bemerkungen
ohne Kat
mit Kat
mit Kat
ohne Kat
M298**
DME**
Zus-Luft
Bemerkungen
1)
Mit Kat für die USA, Japan, Deutschland, Österreich und die Schweiz
2)
Mit Kat für Australien
3)
Ohne Kat für Schweden und die Schweiz
*
unverbleiter Kraftstoff
**M298
Als Mehrausstattung ist ein Motor mit G-Kat lieferbar
**DME
Aenderungen an der digitalen Motor-Elektronik, Zündkennfeld später
**Zus-Luft
Zusatzlufteinblasung hinter die Auslassventiele (Sekundärluftpumpe)
Unter Porsche Kennern ist es bekannt, das diese Motoren bei guter Pflege sehr zuverlässig und langlebig sind. Wird die Maschine sorgfältig warm gefahren ist eine Laufleistung von 300.000km und mehr keine Seltenheit. Wie aus der obigen Tabelle erkennbar ist wurde der Carrera 3,2 in vier Motorvarianten über die sechsjährige Bauzeit angeboten.
Bei den Motoren (930/20) die vor 1985 mit unverbleitem Kraftstoff betrieben wurden, gab Porsche die Empfehlung die Ventile alle 10.000 km statt 20.000 km zu überprüfen.
Neuerungen gegenüber dem 911 SC-Motor:
Hydraulische Kettenspanner am Motorölkreis angeschlossen
DME (Digitale Motorelektronik) statt der K-Jetronic Einspritzanlage.
Was gibt es bei den Motoren zu beachten:
auf keine oder wenig blaue Auspuffgase bei Starten achten
die Motorblockmittelnaht sollte öltrocken sein (sonst wird es teuer).
Undichtigkeiten am Motor im geringen Maße sind normal. Abdichtarbeiten an Steuerkettenkasten und Ventildeckeln sind noch überschaubar. Wenn die Motorblockmittelbaht jedoch undicht ist muß der ganze Block zerlegt werden, was mit hohen Kosten verbunden ist.
Innenraum
Der Innenraum wurde nur in einigen wenigen Details überarbeitet und unterscheidet sich von dem des Urmodells nicht sonderlich.
Generell wurde beim G-Modell mehr Wert auf den Fahrkomfort gelegt, was sich in der Bestuhlung und den zusätzlichen elektrischen Ausstattungsmerkmalen widerspiegelt. Die elektrisch verstellbaren Sitze haben eine optionale Beheizung. Ebenso konnten elektrische Fensterheber, ein elektrisches Schiebedach bzw. ein elektrisch betätigtes Cabriolet-Verdeck bestellt werden.
Diese vielen Helfer sorgten dafür, dass im Cockpit des 911 an den verschiedensten Stellen Schalter untergebracht wurden, die nach heutigem Massstab nicht sehr ergonomisch sind. Dieses "Manko" wurde erst bei den Nachfolgemodellen 964 bzw. 993 behoben.
Jubi 1981...
Jubiläumsmodelle und Turbo
Vom Porsche 911 G-Modell wurden einige Sondermodelle hergestellt, die sich durch eine besonders reichhaltige und zum Teil einmalige Ausstattung gegenüber den Serienmodellen abheben.
Der Porsche 911 wurde mit dieser Porsche-internen Bezeichnung von 1973 bis 1989 in folgenden Ausführungen produziert. Dabei war er wahlweise in der Karosserieform Coupé, Targa und ab 1983 auch als Cabrio erhältlich. Für den Speedster gelten die Zahlen des Carrera 3,2 l.
Modell
911
911
911S
Carrera
Carrera
911SC
911SC
911SC
911
911
73-75
75-78
2.7
3.0
77-79
79-80
80-83
3.2
3.2Kat
Hubraum cm3
2687
2687
2687
2687
2993
2993
2993
2993
3164
3164
Leistung kW
110
121
129
154
147
132
138
150
170
160
PS
150
165
175
210
200
180
188
204
231
217
bei U/Min
5700
5800
5800
6300
6000
5500
5500
5900
5900
5900
Drehmoment
235
235
235
255
255
265
265
267
284
265
Verdichtung
8,0:1
8,5:1
8,5:1
8,5:1
8,5:1
8,5:1
8,6:1
9,8:1
10,3:1
9,5:1
Getriebe
4G
4G
4G
4G
5G
5G
5G
5G
5G
5G
Länge
2271
2272
2271
2271
2272
2272
2272
2272
2272
2272
Breite
1610
1610
1610
1652
1652
1652
1652
1652
1652
1652
Höhe
1320
1320
1320
1320
1320
1320
1320
1320
1320
1320
Leergewicht
1075
1120
1075
1075
1120
1160
1160
1180
1210
1210
Max km/h
210
215
225
240
235
225
225
235
245
240
0-100 km/h
8,5
7,8
7,6
6,3
6,5
7,0
7,0
6,5
6,1
6,5
Quelle: Porsche AG und Wikipedia
Kaufberatung Porsche 911 SC und Carrera 3.2
Merke
Es gibt keine billigen Porsche 911! Nur schlecht gepflegte und mangelhaft gewartete Groschen-gräber. Also gilt hier besonders: Augen auf beim Autokauf. Es gilt, die vielen Blender zu entlarven, sonst kann es sehr teuer werden. Gut gepflegte Exemplare sind dankbare Klassiker.
Karosserie-Check
Die feuerverzinkte Karosserie ist bei den späteren Porsche 911 kein Allheilmittel gegen Rost. Mechanische Beanspruchung, Kapillarwirkung oder Reparturschweißungen bei Unfallschäden können die Zinkschicht schwächen. Generell ist der Rostschutz vorbildlich. Besonderes Misstrauen ist jedoch bei USA-Importen geboten - Magnet und ein Lackdichtemesser gehören deshalb zum Grundbesteck jeder Inspektion. Typische Rostherde der 911-Karosserie sind der Vorderachsträger zwischen den Querlenkern, die Türschweller und Einstiegsbleche in Höhe der B Säule, die Türböden und das kritische Dreieck zwischen A-Säule, Windfang und Windschutzscheibenrahmen. Verschleißanfällig sind auch die Polster und die Dachdichtungen beim Targa.
Technik-Check
Anders als die 2,7-Liter-Motoren und ihre ebenfalls auf einem Magnesiumblock basierenden Vorgänger gelten die 3,0- und 3,3-Liter 911er mit Aluminium-Motorgehäuse als unproblematischer und standfester. Dennoch können auch hier die Stehbolzen abreißen und die Kettenspanner verschlissen sein, beides offenbart sich dem Kenner durch eigentümliche Geräusche. Ein geringer Ölverlust an den Gehäusehälften und an den Ventildeckeldichtungen ist bei dem aufwändigen Triebwerk normal. Ein gut gewarteter und schonend gefahrener Motor kann Laufleistungen bis zu 300.000 Kilometer erreichen, deshalb ist beim 911 ein lückenloser Inspektionsnachweis besonders wichtig. Das G50-Getriebe ab 1987 ist langlebiger und laufruhiger als das 915er.
Ersatzteile
Beim Porsche 911 ist die Ersatzteilbeschaffung kein Problem, für die jungen Jahrgänge vom 911 SC aufwärts ist bis auf originale Polsterstoffe noch alles verfügbar - zu gesalzenen Preisen. Hier sorgen freie Teilehändler für deutlich günstigere Alternativen.
Tipps
Weitere wertvolle Tipps zum Kauf eines G-Modelles finden Sie auf der hp von Guido Hammer!